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Zweitwohnsitzsteuer: Wer muss sie zahlen und wer ist befreit?

Zweitwohnsitz in Sylt
istock.com/pkazmierczak 2020

Eigentlich soll der Zweitwohnsitz Wege zur Arbeit verkürzen oder als Feriendomizil dienen. Ärgerlich, wenn die Wohnung dann plötzlich ungeplante Kosten verursacht, etwa durch die Zweitwohnsitzsteuer oder Zweitwohnungsteuer. Informieren Sie sich unbedingt vorab, ob und wie hoch diese in Ihrer Stadt ausfällt, denn das regeln die Kommunen unterschiedlich.

Wer muss die Zweitwohnsitzsteuer zahlen?

Wer außer seiner Hauptwohnung noch einen zweiten Wohnsitz hat, wird in manchen Städten oder Gemeinden zur Kasse gebeten. Dabei ist es egal, ob sich beide Wohnungen in derselben oder in unterschiedlichen Städten befinden. Als Hauptwohnsitz gilt die Wohnung, die hauptsächlich genutzt wird. Als Zweitwohnsitz jede weitere.

Falls sie aus beruflichen Gründen eine Unterkunft in der Nähe der Arbeitsstelle beziehen, müssen sie oftmals zahlen. Dasselbe gilt für Studenten, die in der Uni-Stadt gemeldet sind und parallel noch bei ihren Eltern. Studenten sollten sich daher überlegen, ob sie sich nicht doch lieber gleich mit Hauptwohnsitz dort anmelden, wo sie studieren. Wenn sie sich überwiegend und auch in der vorlesungsfreien Zeit am Studienort aufhalten, dort Job und Freunde haben und ihre Eltern nur alle paar Wochenenden mal besuchen, sind sie dazu sogar verpflichtet. Dann ist nämlich die Uni-Stadt Ihr Lebensmittelpunkt. Auch auf Ferienwohnungen kann die Steuer gegebenenfalls erhoben werden.

Wird die Steuer auch für ein Zimmer fällig? Auch das ist von Ort zu Ort unterschiedlich: Manche Städte erheben die Steuer erst, wenn jemand eine Wohnung mit Küche und Bad für sich allein hat. In anderen Kommunen wird man schon für ein WG-Zimmer, ein Zimmer zur Untermiete oder einen Dauer-Campingplatz zur Kasse gebeten. Informieren Sie sich am besten direkt beim Einwohnermeldeamt, wenn Sie Ihren Zweitwohnsitz dort anmelden.

Warum verlangen manche Städte eine Zweitwohnsitzsteuer?

Ob sie eine Zweitwohnsitzsteuer erhebt, und wie hoch diese ist, kann laut Gesetz jede Stadt oder Gemeinde selbst entscheiden. Und viele lassen sich die Zusatz-Einnahmequelle nicht entgehen. Die Kommunen sehen es nämlich grundsätzlich am liebsten, wenn sich ihre Einwohner mit Hauptwohnsitz anmelden. Warum? Dafür bekommen sie pro Person Zuschüsse aus dem kommunalen Finanzausgleich.

Wer sich nur mit Zweitwohnsitz anmeldet – etwa, weil er in der entsprechenden Stadt nur vorübergehend studiert oder weil er dort ein Ferienhaus besitzt – muss daher häufig Steuern dafür zahlen. Denn auch er nutzt schließlich die öffentlichen Wege und Einrichtungen, die die Kommune unterhält.

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Wer ist von der Zweitwohnungssteuer befreit?

Grundsätzlich von der Steuer befreit sind Personen, die am Zweitwohnsitz

  • in einer Gemeinschaftsunterkunft leben (z. B. Therapie- oder Erziehungseinrichtung, Alten- oder Pflegeheim, Unterkunft für Soldaten oder Polizeivollzugsbeamte)
  • im Gefängnis sitzen
  • oder sich vorübergehend (nicht länger als 2 Monate) in einem Hotel oder eine Pension aufhalten.

In Bayern werden außerdem Geringverdiener auf Antrag von der Steuer befreit. Das Jahreseinkommen darf eine bestimmte Höhe nicht übersteigen (Stand 2020: 25.000 Euro für Alleinstehende, 33.000 Euro für Verheiratete oder Verpartnerte).

Für Azubis und Minderjährige gilt: Befreit ist, wer einen Zweitwohnsitz bei den Eltern oder einem (geschiedenen) Elternteil hat und noch finanziell von den Eltern abhängig ist.

Berufspendler sind von der Steuer befreit, wenn sie verheiratet sind und der Hauptwohnsitz die gemeinsame Wohnung mit dem Partner ist.

In Ausnahmefällen können Pendler die Zweitwohnsitzsteuer umgehen.

Wie hoch ist die Steuer für den Nebenwohnsitz?

Die Höhe kann jede Stadt selbst festlegen. In den meisten Fällen berechnet sich die Zweitwohnsitzsteuer anhand der jährlichen Netto-Kaltmiete. Sie beträgt je nach Stadt zwischen 5 und 15 Prozent der Kaltmiete.

In welchen Fällen kann man die Zweitwohnsitzsteuer absetzen?

Wenn Sie Ihre Zweitwohnung aus beruflichen Gründen angemietet haben, können Sie die Steuer als Werbungskosten in der Anlage N Ihrer Steuererklärung angeben. Dort können Sie auch weitere Kosten für Ihre Zweitwohnung eintragen.

Ferienhausbesitzer und Co. haben allerdings Pech – denn Kosten für Zweitwohnungen, die aus rein privaten Gründen unterhalten werden, können nicht von der Steuer abgesetzt werden. 

Was passiert, wenn man den zweiten Wohnsitz nicht anmeldet?

Sie möchten ganz pfiffig sein und die Zweitwohnsitzsteuer umgehen, indem Sie sich gar nicht erst anmelden? Schlechte Idee – denn auch für den Zweitwohnsitz besteht Meldepflicht, sobald Sie länger als 6 Monate dort leben.

Wenn Sie sich an Ihrem Nebenwohnsitz nicht anmelden und die fällige Steuer nicht zahlen, ist der Tatbestand der Steuerhinterziehung erfüllt. Die Warnung kommt zu spät? Dann sollten Sie beim zuständigen Finanzamt eine Selbstanzeige machen, denn so können Sie ggf. eine Strafbefreiung erwirken – um die strafbefreiende Selbstanzeige richtig zu formulieren, ist es sinnvoll, einen Fachanwalt für Steuerstrafrecht zurate zu ziehen. Sie müssen die Zweitwohnsitzsteuer aber trotzdem nachzahlen.

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